Der Jakobsweg des Handwerks

 

Es glich fast einem Wink des Schicksals als Geselle Fabian am Sonntag am Bauhof der Handwerkskammer Trier bei der Messe „Chance Handwerk“ vorbeikam. Auf dem Weg von Trier entlang am Moselradweg Richtung Neumagen-Dhron fiel er in seiner typischen Kluft sofort auf und wurde prompt von der Handwerkskammer Trier eingeladen. Natürlich wurde er reichlich mit Essen und Trinken versorgt.
Seit anderthalb Jahren befindet sich der 26 jährige nun schon auf der Wanderschaft. Ein Brauch der immer seltener zu werden scheint und doch für ihn eine wichtige Station im Leben ist. Nach der Lehre als Schreiner machte er das Fachabitur und begann zu studieren. Das erfüllte ihn aber nicht: „Irgendwie musste ich mein Ziel im Leben wiederfinden und die Walz ist eine gute Gelegenheit dazu“. Denn ursprünglich war die Walz die Vorrausetzung, die junge Gesellen erfüllen mussten um die Meisterprüfung abzulegen. Sie sollte auf der Reise nicht nur Arbeitserfahrung sammeln, sondern auch Lebenserfahrung.

Schon früh wusste er, dass ein Bürojob für ihn nicht in Frage kommt und die Vorstellung einfach mit dem Nötigsten loszuziehen war immer ein Traum. Dass er bei der typischen Wanderschaft einen Bannkreis von 50 Kilometern um seinen Heimartort Vallendar bei Koblenz hat, war für ihn kein Problem: „Ich habe dieses Stück gegen den Rest der Welt getauscht. Und wenn man Freunde und Familie treffen will, kann man das ja auch außerhalb des Bannkreises.“  Da ein Geselle, wenn er auf die Walz geht, ledig, kinderlos, nicht vorbestraft und schuldenfrei sein muss, war der Start für Fabian nicht schwierig. Er ist seit beginn seiner Reise im November 2015 schon weit gekommen. Die Schweiz, Italien, Portugal, Spanien und Frankreich hat er neben den meisten Teilen Deutschlands schon bereist und dabei viel Positives erfahren. Lange war er mit einem Kameraden unterwegs und erst seit ein paar Wochen reist er alleine. Sein nächstes Ziel ist Osteuropa, da dort noch traditioneller gearbeitet wird als im Rest Europas: „Fast schon mittelalterlich, aber gerade das finde ich interessant“, erklärt er.

Am Besten an der Reise ist aber die flüchtigen Bekanntschaften, die man richtig zu schätzen lernt, wenn man auf Wanderschaft ist: „Ob es eine Einladung zum Essen ist, ein nettes und interessantes Gespräch. Man lernt so viele Menschen mit unterschiedlichen Ansichten kennen und hat dadurch die Chance sich selbst zu finden“.  Und auch  an Übernachtungs-möglichkeiten hat es noch nie gemangelt. Oft kommt er am Abend in einer Kneipe mit Leuten ins Gespräch: „Und eine Couch hat fast immer jemand frei. Die Tage an denen ich unter freiem Himmel schlafen musste, kann ich an meinen beiden Händen abzählen“.
Die Anstellungen während der Walz hat er meist durch Mundpropaganda gefunden - von anderen Gesellen, die unterwegs sind, oder Einheimischen. Länger als drei Monate darf ein Geselle auf Walz aber nie an einem Ort bleiben.
 
Der schönste Job bisher war die Arbeit an einem Segelschiff: „Der Lohn für jeden Tag Arbeit war ein „Segeltag“ den man einlösen kann wenn das Schiff fertig ist“, erzählt Fabian. Bisher hat ihn noch nichts über die Grenzen Europas hinaus gezogen aber so eine Schiffsreise wäre eine gute Möglichkeit auch andere Kontinente zu bereisen.


Noch mindestens anderthalb Jahre muss er unterwegs sein, denn die klassische Walz dauert genau drei Jahre und einen Tag. Bei ihm werden es aber eher dreieinhalb Jahre. Auf was er sich am meisten freut, wenn er wieder nach Hause kommt, ist es, Leute zu sich einzuladen, damit er etwas davon zurückgeben kann, was ihm auf seiner langen Reise so alles gegeben wurde.

Autorin/Fotos: Sabrina Lambers

 

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