Reisen am Rande der Gesellschaft

 

Nach der Ausbildung arbeiten oder reisen. Das ist wohl der Wunsch der meisten jungen Menschen nach Ende der Lehrzeit. Anders ist da Alexander Frideres. Nach seiner Ausbildung zum Schreiner, die er im Frühjahr abgeschlossen hat, will er eben nicht Geld verdienen oder eine Reise zum reinen Vergnügen antreten, sondern sich vorrangig sozialen Randgruppen widmen. Ausschlaggebend waren für ihn deren ersichtliche Lebensperspektive, die jedoch in der heutigen Gesellschaft nur bedingt wahrgenommen wird. Während dieser Zeit möchte er die Motivation dieser Menschen, ihren Blick in die eigene Zukunft und die Schicksalsschläge die zu diesen Umständen geführt haben, erfahren.  

Somit fasste er den Entschluss nach seinen Prüfungen einen Rucksack zu packen und von seinem Heimatort Nusbaum in Richtung Irland zu reisen. Das Einzige was er dafür im Vorfeld angeschafft hat, waren Zelt, Werkzeug und die Auslandskrankenversicherung. Das Zelt einfach als Option, immer im Trockenen schlafen zu können. „Übernachtungen „unter der Brücke“ schließe ich dennoch nicht aus, da ich unter den Menschen leben werde, denen ich helfen will“, erklärt der 21-jährige.


Motivieren ist das Stichwort bei seiner Reise. Um aber die richtigen Worte und einen Angriffspunkt dafür zu finden, ist es notwendig, dass man sich in derselben Ausgangssituation befindet und sieht welchem Gefahren sie derzeit ausgeliefert sind.

Auch Essen und alles andere was man zum täglichen Leben braucht, will er sich genau auf deren Weise besorgen. Die viele Zeit, die seine Reise mit sich bringt, nutzt er dann auch dazu seine handwerklichen Fertigkeiten zu verbessern. Daher kommt in den Rucksack auch eine Drahtsäge und Schnitzwerkzeug.
Eine Ausbildung zum Schreiner zu machen war schon immer sein Traum. Besonders für Details und Hochwertiges hat er ein Auge, was auch sein Werkstück für die Abschlussarbeit zeigte. Wenn er dann auf seiner Reise schnitzt und ein besonders gutes Stück entsteht will er das auch verkaufen um das Nötigste zu finanzieren: „Geld verdienen will ich auf der Reise vorrangig nicht. Wenn ich auf inspirierende Handwerkskunst treffe, werde ich um der Erfahrung Willen dort verbleiben, jedoch bevorzuge ich dafür ausschließlich Verpflegung und vielleicht eine Unterkunft.“
Ein Jahr hat er sich als Rahmen für seine Reise gesteckt. Wenn es aber länger dauert, ist das auch kein Problem. Eine genaue Route oder einen Zeitplan gibt es nicht. Wie es kommt, kommt es halt und wenn es ihm irgendwo besonders gut gefällt kann er sich auch vorstellen dort zu verweilen.  
 
Die Idee, auf Reisen zu gehen um Erfahrung zu sammeln und seine Fertigkeiten zu verbessern kannte und kennt man im Handwerk als „Walz“. Die klassische Form, bei der die Reisenden keinen Kontakt zu Freunden und Familien haben und Unterkunft und Essen erarbeiten müssen, gibt es aber immer seltener. Alexander Frideres geht es aber vorranging um die soziale Komponente bei seiner Reise.  

Autorin: Sabrina Lambers

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