Mach erst mal was Sinnvolles -

Studieren kannst du später noch

 

Mit diesen und ähnlichen Slogans wirbt das Handwerk im Rahmen seiner Imagekampagne schon seit einigen Jahren. Grund dafür war und ist: Die Zahl der Studienanfänger liegt inzwischen über der der neu abgeschlossenen Lehrverträge. Ergebnis jahrzehntelangen Bildungswerbung für höhere Abiturienten- und Akademikerquoten.

HWK-Geschäftsführer Günther Behr erkennt inzwischen allerdings erste Anzeichen für ein Umdenken auch bei Jugendlichen und Eltern. Es scheine sich doch herumzusprechen, so der Bildungsexperte, dass die Formel „Erst mal Abitur – dann irgendwas studieren – dann kommt der toll bezahlte Akademikerjob“ so nicht mehr funktioniere“. Stichworte wie: steigende Studienabbrecher-Zahlen, „Akademisierungswahn“, „Generation Praktikum“ oder „Bachelorisierung der Sachbearbeitung“ sind inzwischen gang und gäbe.

Vor allem die stark steigende Nachfrage nach dualen Studienangeboten, bei denen trotz hoher zeitlicher Belastung für die Teilnehmer eine duale Berufsausbildung mit einem Studium verknüpft wird, zeigt, dieses Umdenken.

„Sicherheit mit Perspektive“ sei hier das Schlagwort. Das jedoch in der klassischen Version noch mehr Sinn macht. „Wer heute eine handwerkliche Ausbildung erfolgreich abschließt, braucht sich in der Regel um seine berufliche Zukunft keine Sorgen zu machen - und mit dem Meisterbrief in der Tasche hat man fast schon eine Karrieregarantie“ bestätigt auch HWK-Hauptgeschäftsführer Axel Bettendorf: “Schon seit einigen Jahren verzeichnet das regionale Handwerk eine stetig steigende Nachfrage nach seinen hochwertigen Produkten und Dienstleistungen, und die Zukunftsperspektiven sind ebenfalls glänzend. Insbesondere vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung bieten sich damit jungen Menschen mit unterschiedlichsten Begabungen beste Beschäftigungs- und Aufstiegschancen.“  

Vor allem in den technischen und kaufmännischen Berufen empfiehlt Günther Behr den „klassischen“ Weg einer einschlägigen dualen Ausbildung vor dem Studium. Dieses „Rendezvous mit der Realität“ zeige jungen Menschen, wo sie tatsächlich stünden und eröffne dennoch alle Karriereoptionen – in Richtung eines fachbezogenen Studiums oder eben auch den traditionellen Aufstieg z. B. über die Meisterprüfung im Handwerk.

 „Aber auch in der Bildungspolitik müssen wir endlich radikal umsteuern“, fordert Günther Behr. Dies bewiesen die wachsenden öffentlichen Diskussionen über Qualität und Aussagekraft von Berufsabschlüssen, insbesondere von Hochschulreifezeugnissen“. „Abitur für alle“ und „Studium für jeden“ fördere aber letztlich nur falsche, unerfüllbare Erwartungen und sei so letztlich für viele jungen Menschen das Gegenteil von „Chancengerechtigkeit“.

Umso wichtiger ist es nach Ansicht der Wirtschaft, die berufliche Bildung mit ihren Perspektiven im Sinne der vielversprochenen „Gleichwertigkeit“ stärker zu fördern.
Dazu gehöre die noch bessere Ausstattung der dualen Erstausbildung, aber insbesondere die Förderung der Aufstiegsqualifizierung zum Meister. Hier hat die Politik reagiert und sowohl das sogenannte „Meister-BAföG“ verbessert, als auch auf Landesebene einen zusätzlichen „Meisterbonus“ angekündigt. Ein direkter Hochschulzugang für Meister und demnächst auch für alle besonders qualifizierten Gesellen ohne formale Hochschulreife könnte als zusätzliche Option künftig die Attraktivität einer Lehre ebenfalls erhöhen.

Mittlerweile sind im Kammerbezirk Trier gerade die zahlreichen Studienabbrecher zu einer Art
„Hoffnungsträger“ im Handwerk geworden, die nach Ausbildung und Meisterprüfung als gefragte
Führungskräfte oder Selbstständige in eine neue Karriere durchgestartet sind.

„Aber diese Aufstiegschancen“, so Günther Behr, „gibt es auch ohne solche zeitraubenden Umwege direkt nach einem ordentlichen Schulabschluss!“
Autor: HWK Trier, Sabrina Lambers

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